Sommersynode: Kein Steilpass für den Kirchenrat

Sommersynode21_1 (Foto: St.Galler Synode)
Die Synode, das Kirchenparlament der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen, weist das Konzept «Junge Menschen in der Kirche» an den Kirchenrat zurück. Dieser hat zunächst grundlegende Fragen zu klären.
kid/Ack (Kantonalkirchlicher Informationsdienst)
Die Uznacher Pfarrerin Susanne Hug-Maag erinnerte in ihrer Besinnung zu Beginn der Parlamentssitzung der St.Galler Synode an eine Schwesterveranstaltung in Dordrecht. Letztere fand vor vierhundert Jahren statt und dauerte lange, sehr lang – knapp ein halbes Jahr. Bei den Niederländer Reformierten ging es darum, eine Spaltung, die auch zu einem Krieg führte, zu überwinden. Bei den St. Gallern ging es am Montag in der Kirche St.Laurenzen weder um Krieg noch um Spaltung. Dennoch rechneten viele Synodale, dass die Sitzung dauern könnte. Mindestens so lange, dass der Genuss des Achtelfinalspiels Kroatien - Spanien auf dem Spiel stand. Logisch nur, dass an der Parlamentssitzung relativ häufig das Fussballvokabular bemüht wurde. Grund für die Angst zur ausgiebigen Debatte waren «Junge Menschen in der Kirche», ein Konzept, das einen roten Faden in die Arbeit mit jungen Menschen legen soll – von der Taufe bis ins junge Erwachsenenalter.
Quasi zum Aufwärmen genehmigten die Synodalen zunächst eine Stellenerhöhung im Bereich Medien und Kommunikation der Kantonalkirche sowie Amtsbericht und Rechnung 2020. Die Rechnung der Kantonalkirche schliesst bei einem Aufwand von 22,7 Millionen Franken und einem Ertrag von knapp 23,15 Millionen Franken um 590 000 Franken besser ab als budgetiert. Das Budget war noch von einem Rückschlag von rund 130 000 Franken ausgegangen. Der Vorschlag kommt in die Reserve - auch um Wertschwankungen der Kapitalanlagen ausgleichen zu können.
Dann der Anpfiff: Erst hatten die Synodalen Übergangsregelungen zum Religionsunterricht zu genehmigen. Diese Regelungen sind nötig, da ab kommendem Schuljahr das Fach Ethik, Religionen und Gemeinschaft (ERG) nur noch Sache der Schule ist; und die Zeit zu knapp war, definitive rechtliche Bedingungen zu schaffen.
Wie vor ERG erteilen die Kirchen an den Schulen nun wieder Religionsunterricht. Allerdings ist der Besuch dieses Unterrichtes nicht mehr obligatorisch. Wegen dieser Freiwilligkeit beantragte Katja Roelli, Diepoldsau, Zurückweisung. Sie bemängelte, dass die Regelungen vorsehen, dass der Besuch des Religionsunterrichtes in den ersten beiden Jahren der Oberstufe Voraussetzung für die Konfirmation ist. Der Unterricht so quasi zur Pflicht werde. Da zuvor die Pflicht bestand ERG Kirchen zu besuchen, lehnte die Synode den Antrag von Roelli ab und folgte dem Kirchenrat.
Doch um die Frage der Pflicht ging es dann auch bei den Diskussionen zum Konzept «Junge Menschen in der Kirche». Barbara Damaschke-Boesch, für die schulische Bildung zuständige Kirchenrätin, betonte, dass das Konzept quasi der Steilpass in die Tiefe sei, der die nötigen Freiräume für die Kirchgemeinden öffne, um mit jungen Menschen in der Kirche arbeiten zu können.
«Im Gegenteil», befand Trix Gretler, Pfarrerin und Synodale aus Lichtensteig. Das Konzept sei zu sehr Reglement und zu wenig Vision, etwa bei den Vorgaben zur Konfirmation. Überhaupt gelte es jetzt einen Schritt zurück zu machen und erst grundlegende Fragen zu klären, sagte Rita Dätwyler, Synodale und Präsidentin der Kirchgemeinde St.Gallen Straubenzell. «Ist die Konfirmation die Erneuerung der Taufe, Schlusspunkt eines Bildungsweges oder Zeichen religiöser Mündigkeit?». Gretler und Dätwyler stellten Antrag auf Rückweisung des Konzeptes an den Kirchenrat. Nachfolgende Rednerinnen und Redner pflichteten ihnen aus ähnlichen Gründen bei. Und langsam zeichnete sich ab, die zweite Halbzeit – die Detailberatung des Konzeptes – würde an diesem Montag nicht mehr stattfinden. Mit deutlicher Mehrheit ging das Geschäft nach zweistündiger Eintretensdebatte zurück an den Kirchenrat. Damit beauftragte sie ihn, erst grundsätzliche Fragen rund um die Konfirmation zu klären und dann die Antworten in eine neue Vorlage einzuarbeiten. Dem fussballerischen Spielgenuss um 18 Uhr stand somit nichts mehr im Wege.